ZEITREISE :: In die Römerzeit
Fast eine Zeitreise: Ein Besuch im
Museum.
Über 400 Seiten lang konnte ich über
Geschichtsvermittlung in Museen nachdenken, in meiner Doktorarbeit.
Einige Ergebnisse veröffentlichten die Rhein-Zeitung und die Zeitschrift Archäologie
in Deutschland. Betreut hat mich Prof. Dr.
Hans-Joachim Gehrke der Präsident des Deutschen Archäologischen
Instituts.
Die Gerda Henkel Stiftung hat
meine Doktorarbeit mit einem Stipendium gefördert. Sie erscheint im
Sommer 2010 in der Reihe „Beiträge zur Geschichtswissenschaft“,
hg. von PD Dr. Ernst Piper.
„Neue
Römer braucht das Land“
Über 260.000 Besucher bei der
Ausstellung Imperium Romanum, fast
800.000 bei Konstantin der Große,
bundesweite Anzeigenwerbung für 2000 Jahre Varusschlacht –
Ausstellungen zur Römerzeit haben sich längst zu touristischen
Großveranstaltungen entwickelt. Dies habe ich zum Anlaß genommen,
die Römer-Ausstellungen genauer zu untersuchen. Meine Arbeit bietet
einen Erkenntnisgewinn, der sich auf zwei unterschiedliche Bereiche
erstreckt.
I.
Dokumentation
Meine
Untersuchung bietet
erstmals eine gründliche Dokumentation von aktuellen
Römer-Ausstellungen sowie Interviews mit den beteiligten Kuratoren,
Planern und Entscheidern. Damit bildet sie eine Bestandsaufnahme, was
in der Ausstellungspraxis gegenwärtig üblich und möglich ist. In
diesem Fokus ergeben sich neue Impulse für die zukünftige
Gestaltung von Römer-Ausstellungen in Museen.
Siebzehn neue
Präsentationen aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern
werden sorgsam seziert, in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und
untersucht. Hierfür habe ich erstmals Begrifflichkeiten entwickelt,
die man künftig zur Beschreibung von Ausstellungen einsetzen
kann.
II. Analyse: Das Museum als
Produzent von Geschichtsbildern
Meine Arbeit thematisiert Inhalte und
Präsentationsformen der Ausstellungskonzeptionen, deckt
Schwachstellen auf und liefert Verbesserungsvorschläge. So kommt man
den Mechanismen auf die Spur, wie die Museen unser Bild der Römer
formen.
Welche Unterschiede kleine
Einrichtungen zu den überregionalen Landesmuseen aufweisen, wird
ebenfalls verglichen. Doch bei allen Unterschieden und regionalen
Eigenheiten lassen sich einige Grundkonstellationen herausarbeiten,
die für alle untersuchten Ausstellungen zutreffen.
Ein Beispiel: In
den Museen wird die Römerzeit durchgehend nicht als fremd, sondern
als eine Zeit geschildert, die der Gegenwart ganz ähnlich ist.
Unterstützt wird dies durch bestimmte Formulierungen, bei denen
antike Sachen mit modernen verglichen werden (z.B. die Peutingerkarte
als „S-Bahn-Plan“). ‚Zeitspezifische Tendenzen‘ habe ich dies
in meiner Arbeit genannt. Das heißt: Aktuelle Begriffe setzt man mit
antiken Dingen gleich. Die Gegenwart spiegelt sich in der Darstellung
der Vergangenheit.
Damit sind gewisse Rahmenbedingungen
abgesteckt, welches Geschichtsbild der Römerzeit gegenwärtig
vermittelt wird. Dies kann nun mit den Geschichtsbildern anderer
Regionen und anderer Medien (Film, Schulbuch, wissenschaftliche
Forschung etc.) verglichen werden.
Meine Überlegungen sind der Versuch,
die textzentrierte Geschichtswissenschaft / Historiographie und die
objektbezogene Archäologie / Museologie
miteinander zu verbinden.
Der Blick auf das
Museum als Produzent von Geschichtsbildern eröffnet einen neuen
geschichtswissenschaftlichen Zugang zu ihm.